• Martinskirche

Unsere Gottesdienste feiern wir in der Enzweihinger Martinskirche, welche wohl die älteste Kirche in unserem Raum ist. Im Folgenden finden Sie in unserem kleinen Kirchenführer viele Informationen über unsere Kirche. Die Texte stammen dabei von Dr. Gudrun Aker und Walter Grieb (†) und wurden aus unseren Gemeindebriefen entnommen.

Gerne können Sie auch einen Gottesdienst besuchen und die Martinskirche vor Ort in Augenschein nehmen.

 
 
 
  • add Grußwort

    Liebe Besucher der Martinskirche Enzweihingen.

    Wir freuen uns, dass Sie sich Zeit für unseren Kirchenraum nehmen. Obwohl der Innenraum der Kirche eine sehr schlichte und zweckmäßige Ausstrahlung hat, gibt es viel zu entdecken. Hierfür wurde die kleine Broschüre erstellt.

    Unter der Woche und an den Sonntagen erlebt unsere Kirche ein reges Gemeindeleben mit allen Generationen. Die Kirche ist für uns mehr als ein Gebäude. Wir versammeln uns, um miteinander Gott zu loben, uns von der Erlösungskraft Jesu Christi erneuern zu lassen, und durch den Heiligen Geist im Alltag geführt zu werden. Das hört sich zuerst etwas steril und unnahbar an. Auch hier ist es wie mit einer Kirchenführung: Die Entdeckungen macht man erst durch das Eintauchen in das Innere einer Sache. Kirche, das sind zuerst die „lebendigen Steine“, also die am Glauben interessierten Menschen. So wird es bildhaft in der Bibel dargestellt. Sie sind also jederzeit und herzlich willkommen in unserer Kirche. Dies gilt, ob Sie Enzweihinger sind oder nicht, oder ob sie nun ein offizielles Kirchenmitglied sind oder nicht. Entdecken Sie nicht nur unseren Kirchenraum, sondern auch die Kirchengemeinde.

    „Der Raum der Kirche ist nicht dazu da, um der Welt ein Stück ihres Bereiches streitig zu machen, sondern gerade um der Welt zu bezeugen, dass sie Welt bleibe, nämlich die von Gott geliebte und versöhnte Welt“ - Dietrich Bonhoeffer

    Ihr Enzweihinger Dorfpfarrer
    Matthias Hanßmann

  • add Unsere Kirchengeschichte

    Daten zur Enzweihinger Kirchengeschichte

    Die Martinskirche wird zwar urkundlich erst im Jahr 1298 erwähnt, ist aber mit Sicherheit die älteste Kirche in unserem Raum. Sie war die Mutterkirche der Vaihinger Peterskirche, die erst im 10. oder 11. Jahrhundert gegründet wurde, und aller Kirchen und Kapellen der umliegenden Dörfer und Weiler.

    Namenspatron war der Heilige Martin von Tour, der Hauptheilige der Franken.

     

    • Die Christianisierung der alemannischen Siedlung Wihingen erfolgte im 7. Jahrhundert durch fränkische Missionare. Martinskirchen gehören zu den ältesten Gotteshäusern überhaupt.

    • Der erste Kirchenbau ist sicher eine Holzkirche ohne Chorbau und Turm; sein Nachfolger eine zunächst noch kleine, einschiffige Steinkirche, die mehrfach umgebaut wird und dabei einen Turm mit quadratischem Grundriss erhält.

    • Von 1348 bis 1553 ist der Deutsche Orden Patronatsherr der Enzweihinger Kirche. Der Deutschmeister vergibt die Pfründen, setzt die Priester ein und ist Empfänger des Großen Zehnt, einer Naturalsteuer auf Getreide und Wein.

    • Im Spätmittelalter befindet sich bei der Hochdorfer Linde die Wallfahrts-Kapelle Unserer Lieben Frau zum Birnbaum. Sie wird 1554 abgerissen. Eine Wallfahrt besteht auch in der Johannes-kapelle im Weiler Leinfelden. Die Kapelle in Pulverdingen ist dem Heiligen Jous geweiht.

    • Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts: Erweiterung der Martins-kirche und Umbau im spätgotischen Stil. Der repräsentative Kirchenbau ist Ausdruck des Selbstbewusstseins des größten und reichsten Dorfs im Vaihinger Amt.

    • 1534: Einführung der Reformation. Der evangelisch-lutherische Glaube wird Staatsreligion im Herzogtum Württemberg.

    • 1559: Große Württembergische Kirchenordnung. Die Schule,

       das Gesundheitswesen und die Sozialfürsorge sind kirchlich organisiert.

    • 1618 bis 1648: Im Dreißigjährigen Krieg verliert Enzweihingen durch Gewalt, Hunger und Pest rund 70 Prozent seiner Bevölkerung. Die öffentliche Ordnung und die Kirchenzucht liegen darnieder.

    • 1644: Einführung des Kirchenkonvents als örtliches Sitten-gericht.

    • 1648: Einführung der allgemeinen  Schulpflicht in Württemberg. Der Schulmeister ist zugleich Mesner, Kantor und Organist und dem Pfarrer unterstellt.

    • 12. Juli 1693: Großer Brand. Ein Drittel des Dorfes wird in den Franzosenkriegen bei einem feindlichen Überfall in Schutt und Asche gelegt. Kirche, Pfarrhaus, Schule und Rathaus fallen dem Feuer zum Opfer.

    •  Das Kirchenschiff ist 1706 wieder hergestellt, der eingestürzte Kirchturm erst 1764. Die Fenster an der Nordfassade, das Nordportal und der nördliche Durchgangsbogen des Turms werden aus Geldmangel zugemauert.

    • 1723: Einführung der Konfirmation in  Württemberg.

    • 1806: Rechtliche Gleichstellung der christlichen Konfessionen im neugeschaffenen Königreich Württemberg.

    • 1808: Aus seuchenpolitischen Gründen muss der Kirchhof bei der Martinskirche aufgegeben werden. Die Kirchhofmauer wird 1845 abgerissen und das Mauer- und Treppenwerk an der Südseite errichtet.

    • 1887: Trennung von bürgerlicher Gemeinde und Kirchen-gemeinde. Schaffung des Kirchengemeinderats und der Kirchenpflege.

    • 1950/51: Gründliche Innenrenovierung der Martinskirche. Abbau der Orgelempore und der südlichen Seitenempore, Neubau der Emporen an der West- und Nordseite,

    Erneuerung des Altars, der Kanzel und der Fenster, Einbau einer Heizung.

    • 1960: Anschaffung eines vierstimmigen  Bronzegeläuts. Das Stahlgeläut, das ab 1921 die im Ersten Weltkrieg verloren gegangenen Glocken aus dem 18.Jahrhundert ersetzte, erhält die Gemeinde in Bad Tatzmannsdorf.

    • 4. Advent 1974: Einweihung der neuen Orgel mit 22 Registern.

    • 1979: Rundumsanierung der Außenmauern der Martinskirche und Neubau der Außentreppen.

    • 1991: Umfassende Renovierung des Kircheninnenraums.

    Die Martinskirche zeigt sich heute mit kleinen Veränderungen in derselben Gestalt, die ihr beim Umbau im 16. Jahrhundert verliehen wurde. Der große einschiffige Kirchenraum ist ringsum mit Strebepfeilern umstellt, ebenso der Chor im Osten. Zwischen den Pfeilern  steht jeweils ein hohes dreibahniges Maß-werkfenster mit Kreuzblumen und gotischem Spitzbogen; die Chorfenster aus der Nachkriegszeit schmücken Glasmalereien mit biblischen Szenen. Die Fensteröffnungen an der Nordseite des Kirchenschiffs wurden bis auf eine nach dem großen Brand zugemauert. Das 1. Fenster von Osten ist zu einer Tür umgewidmet, die über eine Außentreppe zur Empore führt. Vermauert sind auch die dem Südportal gegenüberliegende nördliche Zugangstür und der nördliche Durchgangsbogen des Turms, dem ein Kellereingang vorgesetzt ist.

    Der Westturm besteht aus einem kompakten quadratischen Unterbau und einem höheren achteckigen Aufbau. Über der Glockenstube mit Maßwerkfenstern erhebt sich ein schlankes Pyramidendach mit Turmhahn und Knauf. Die neugotische Sakristei aus dem 19. Jahrhundert ist an der Südseite des Chors angebaut. Auf der Nordseite steht zwischen Sakristei und Schiff ein schmales Türmchen mit Wendeltreppe, das zum Dachgeschoss führt.

    Der Chorraum mit der auf dem Boden stehenden Orgel von 1974 trägt ein Netzgewölbe mit 2 Schlusssteinen. Auf dem einen ist der Kirchenpatron Martin mit dem vor ihm knieenden Bettler, auf dem zweiten das Ortswappen zu sehen. Das Erdgeschoss des Turms mit farbig gefasstem Kreuzgewölbe dient als Eingangshalle. Anstelle des ursprünglichen Gewölbes im Kirchenschiff, das nach dem Brand nicht erneuert wurde, schließt den Innenraum heute eine leicht gewölbte Holzdecke ab.

  • add Die Kanzel in unserer Martinskirche

    Die Kirchen, die aus der vorreformatorischen Zeit stammen, waren katholisch und die Pfarrer zelebrierten vom Altar aus die Messe. Ansprachen oder Predigten, wie sie heute in evangelischen Kirchen gehalten werden, waren nicht üblich. Nach der Reformation erhielt die Verkündigung und Auslegung des Wortes Gottes in den evangelischen Kirchen zentrale Bedeutung. Für die Predigten wurde deshalb eine Kanzel benötigt. Diese wurde an einen Platz gesetzt, an dem die Gemeinde den Pfarrer sehen und die Predigt hören konnte. In unserer Martinskirche wurde die Kanzel am romanischen Bogen zwischen Schiff und Chor angebracht.
    Die Kanzel aus dem Jahre 1951 ist fünfeckig. Sie ist aus Eichenholz, ohne Farbe oder Tönung und steht auf einer runden Säule. Auf den drei Seiten der Kanzel sind Gleichnisse Jesu dargestellt. Die Figuren sind in die Seitenflächen reliefartig eingeschnitzt. Weil keine Konturen oder Farben die Figuren hervorheben, setzen sie sich vom Hintergrund nur wenig ab und sind deshalb nur bei genauem Betrachten zu erkennen.

    Auf der linken Kanzelseite ist das Gleichnis aus Matthäus 13,3-9: "Vom Sämann":
    Das Wort Gottes wird vom Pfarrer bei den Gottesdiensten von der Kanzel in die Gemeinde gestreut, wie ein Sämann den Samen auf das Ackerfeld sät.

    Das mittlere Kanzelbild zeigt das Gleichnis aus Johannes 15,1-8:"Der wahre Weinstock":
    Jesus steht zwischen Rebstöcken und zwei großen Trauben. Er sagt: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben".

    Das rechte Kanzelbild zeigt das Gleichnis aus Johannes 10: "Der gute Hirte":
    Jesus sagt: "Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich" und "Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe". Durch dieses Opfer sind wir Menschen gerettet.

  • add Glasfenster

    Glasbilder im Chorraum

    Beim "Großen Brand von Enzweihingen" im Jahre 1693 wurde der Chor der Martinskirche wenig beschädigt, das Kreuzgewölbe und die gotischen Fenster blieben erhalten.
    Der Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler wurde beauftragt, die Fenster mit Bildern aus dem Alten und dem Neuen Testament auszuschmücken. Begonnen wurde 1951 mit dem mittleren Fenster.

    25 bunte Glasbilder erzählen die Geschichte von Jesus Christus:
    1 Am unteren Fensterrand beginnt die Leidensgeschichte mit der dritten Leidensankündigung Jesu.
    2 Daneben holen zwei Jünger ein Eselsfüllen im nahe gelegenen Dorf.
    3 Jesus hält auf diesem Esel am Palmsonntag Einzug in Jerusalem.
    Aus optischen Gründen trägt Jesus auf allen Bildern statt des weißen ein rotes Gewand.
    4 Bei der Tempelreinigung stößt Jesus den Geldwechslern die Tische um und jagt die Händler aus dem Tempel.
    5 In Bethanien salbt Maria, die Schwester des Lazarus, die Füße Jesu mit einem kostbaren Öl und trocknet sie mit ihrem Haar.
    6 Judas protestiert lautstark gegen diese angebliche Verschwendung.
    7-9 Mit drei Bildern nebeneinander ist das Abendmahl dargestellt.
    Es zeigt die Szene als Jesus sagt: Einer von euch wird mich verraten.
    Judas steht auf und verlässt das Mahl. Er ist gelb gekleidet, in der Farbe der Untreue und des Verrats.
    10 Im Garten Gethsemane ringt Jesus mit seinem Vater, ob ihm nicht der Tod am Kreuz erlassen werden könnte.
    11 Ein Engel stärkt ihn.
    12 Judas kommt mit den Kriegsknechten und verrät Jesus mit einem Kuss.
    13 Jesus wird abgeführt.
    14-16 Die drei nächsten Bilder stellen die Verhöre dar.
    17 Der Hohe Rat der Juden verurteilt Jesus zum Tode.
    18 Ein Knecht des Hohepriesters Kaiphas schlägt Jeus mit der Hand ins Gesicht.
    19 König Herodes lässt Jesus ein weißes Gewand anlegen und verspottet ihn. Auf seine Fragen antwortet Jesus nicht.
    Pilatus wird von den Juden bestürmt, Jesus kreuzigen zu lassen.
    20 Doch er will Jesus zum Passahfest frei lassen. Aber die Menge ruft: Gib uns Barnabas los! Bei Jesus schreien sie: Kreuzige ihn!
    21 Petrus wärmt sich im Hof des Gerichtsgebäudes am Feuer. Dabei wird er von einer Magd als Jünger Jesu erkannt.
    Er verleugnet seinen Herrn dreimal. Dann kräht der Hahn.
    22 Auf dem Weg nach Golgatha bricht Jesus unter der Last des Kreuzes zusammen. Simon von Kyrene, der gerade vom Feld kommt, muss ihm das Kreuz tragen.
    23 Das nächste Bild zeigt den Gekreuzigten.
    Die Kriegsknechte sitzen unter  dem Kreuz und würfeln um seine Kleider.
    24 Auf der einen Seite ist die Grablegung Jesu und auf der anderen beweinen die Frauen den Leichnam Jesu.
    25 Das oberste Bild in der Mitte zeigt die Auferstehung.
    Kraftvoll und siegessicher steigt Jesus aus dem Grab, in seiner Hand hält er die Siegesfahne.

     

    Die Glasbilder im linken und rechten Chorfenster unserer Martinskirche

    1963 wurden die Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler und Valentin Saile beauftragt, im linken und im rechten Chorfenster farbige Glasbilder einzusetzen. Im linken Fenster wurden Motive aus dem Alten Testament und im rechten Fenster aus der Offenbarung des Johannes ausgewählt.

    Linkes Fenster: Altes Testament
    Oben in den so genannten Fischblasen ist die erschaffene Erde symbolhaft dargestellt. Friedlich trinken Löwe und Lamm aus dem Bach, in dem die Fische lustig schwimmen. Vögel kreisen um einen Baum.
    Die Hand von oben bedeutet die segnende Gegenwart Gottes im Paradies.
    Auf dem nächsten Bild zieht Gott mit den Händen dem schlafenden Adam die Eva aus der Seite.
    Beim Sündenfall verführt eine rote Schlange das erste Menschenpaar. Es muss das Paradies verlassen.
    Ein Cherub mit flammendem Schwert verwehrt den Zugang zum Paradies.
    Noah und seine Söhne erhalten von Gott den Auftrag, eine Arche zu bauen. Sie gehorchen und die Arche schwimmt auf dem Wasser der alles vernichtenden Sintflut.
    Darauf richtet Gott einen Bund mit Noah auf.
    Als Zeichen seines Bundes setzt er den Regenbogen in die Wolken.
    Großen Raum nimmt der Turmbau zu Babel ein.
    Abraham ist auf dem Weg ins "Gelobte Land". Erst trennt er sich von seinem Neffen Lot, dann verkündet ihm Gott, dass seine Nachkommen so zahlreich sein werden wie die Sterne am Himmel.
    Die Jakobs- und Josefsgeschichte werden übersprungen.
    Das nächste Bild ist die Berufung Moses am brennenden Busch.
    Auch der Auszug aus Ägypten und die Ereignisse bis zur Halbinsel Sinai sind nicht dargestellt.
    Dann folgt der Bund Gottes mit Mose.
    Dieser kommt vom Berg mit den Tafeln der zehn Gebote.
    Am Haderwasser schlägt Mose Wasser aus dem Felsen. Als dann Schlangen ins Lager kommen, richtet Mose die "Eherne Schlange" auf. Wer gebissen wird und zu ihr aufblickt, bleibt am Leben.
    Mit den beiden Propheten Jesaja und Jeremia schließt das Alte Testament am unteren Fensterrand ab.

    Rechtes Fenster: Die Offenbarung
    Zwölf goldene Tore des himmlischen Jerusalems leuchten oben in den Fischblasen.
    Der im Himmel thronende Jesus erhebt segnend seine Hände.
    Er ist umgeben von den 24 Ältesten.
    Das Lamm allein ist würdig, das Buch mit den sieben Siegeln zu öffnen.
    Der auferstandene und im Himmel thronende Christus erhält den Plan Gottes für die Endzeit der Erde.
    Der Engel mit dem Räuchergefäß holt glühende Kohle vom Altar und mit dem Weihrauch steigen die Gebete der Heiligen zu Gott in den Himmel.
    Von einem Engel bekommt Johannes ein Büchlein und erhält die Anweisung, es aufzuessen.
    Zwei Zeugen bekommen Macht, um zu weissagen und die  Menschen auf der Erde zu plagen. Sie werden getötet, aber Gott weckt sie wieder auf und holt sie in den Himmel.
    Der Erzengel Michael kämpft mit seinem Engelheer gegen den Drachen und seine Engel. Der Drache wird besiegt, aus dem Himmel gejagt und auf die Erde geworfen.
    Dann geht das große Babylon als Sinnbild aller Sünde in einem Feuersturm unter. Jubel bricht los.
    Ein starker Engel wirft einen schweren Mühlstein ins Meer.
    Wie dieser in den Fluten versinkt, so ist jetzt alles Böse nicht mehr und Jesus Christus kann wiederkommen.
    Dann öffnet der Engel mit dem Schlüssel den Abgrund.
    Mit einer Kette fesselt er den Drachen und wirft ihn in den Abgrund.
    Das "Tausendjährige Reich" beginnt.

  • add Die Orgel in der Martinskirche

    1908 wurde von der Firma Walcker aus Ludwigsburg eine Orgel, Opus 1415' eingebaut. Ihr Platz war auf der Empore im Chor (Orgelempore). Auf dieser Empore sangen und musizierten auch die Chöre.

    Bei der Renovierung der Kirche 1950/51 wurde diese Empore im Chor entfernt und die Orgel auf den Fußboden gestellt. Dabei wurde der fußbetriebene Blasebalg durch ein elektrisches Gebläse ersetzt.

    In den 60ger Jahren wurde diese Walcker-Orgel jedoch immer anfälliger.
    Eine neue Orgel musste angeschafft werden. Die Kosten lagen bei 100 000.- DM. Die Umbaumaßnahmen und der Einbau einer Fußbodenheizung im Chor betrugen weitere 50000.- DM.

    Das Studio für Orgelbau Peter Plum aus Marbach erhielt den Zuschlag.

    In einem Zeitraum von zwei Jahren wurde die Orgel gebaut und aufgestellt (von November 1972 bis zum 4. Advent 1974).

    Die Orgel hat 22 Register und kann mit drei Manualen sowie mit Pedalen gespielt werden. Sechs Register wurden aus der alten Orgel klanglich umgestaltet und mit eingebaut.

    Die Orgel hat insgesamt 1644 Pfeifen, wovon allerdings nur 91 sichtbar sind. Die sichtbaren Pfeifen sind aus Metall (Zinnlegierung). Die meisten Pfeifen im Orgelgehäuse sind aus Holz, besonders die tiefen Bässe.

    Eine Besonderheit an der Orgel sind die spanischen Trompeten. Es sind waagrecht liegende Pfeifen aus Metall. Sie geben der Orgel ein besonderes Aussehen und verleihen ihr einen selten zu hörenden Klang. Das Gehäuse der Orgel wurde von der Kleinglattbacher Schreinerei Feyl und Dölker angefertigt.
    Die neue Orgel wurde auf einen Sockel etwas höher als der Spieltisch gestellt. Diese Erhöhung bringt eine bessere Akustik. Die Pfeifen sitzen auch nicht direkt auf dem Fußboden und sind deshalb nicht so sehr dem sich wechselnden Klima im Chor ausgesetzt.

  • add Liturgische Farben im Kirchenjahr

    Die besonderen Zeiten des Kirchenjahres finden ihren sichtbaren Ausdruck in den Paramenten. Die Paramente sind Schmuck-tücher an Altar und Kanzelpult in den jeweiligen Farben des Kirchenjahres. Auch die darauf eingestickten Symbole (Sinnbilder) weisen auf die Feste im Kirchenjahr. Das Kirchenjahr beginnt mit dem 1.Advent und endet mit dem Ewigkeitssonntag (Totensonntag).

    Die Farbe Violett ist für die Adventszeit (vom 1. Advent bis zum Heilig Abend) und für die Passionszeit (vom Sonntag Invocavit bis zum Palmsonntag). Auf dem Tuch des Altars sind die brennenden Lampen der fünf klugen Jungfrauen und darunter die verloschenen Lampen der fünf törichten Jungfrauen.
    Am Kanzelpult verläuft quer über das Tuch ein Stück Dornenkrone (symbolisch).
    Violett bedeutet Nacht und Warten auf die kommende Zeit. Es ist die Farbe für Buße und Vorbereitung auf die zu erwartenden Festtage (Jesaja 60, 2). Auf die  Adventszeit folgt Weihnachten und auf die Passionszeit Ostern.

    Die Farbe Weiß ist für die Christusfeste und die durch sie geprägten Festzeiten, es ist die Farbe Jesu und der Engel. In Matth. 17, 2 (Verklärung Jesu) leuchten Jesu Kleider weiß wie ein Licht und in Markus 16,5 trägt der Engel ein langes weißes Kleid (im Grab Jesu).
    Die Christusfeste sind Weihnachten und Ostern. Die Weihnachts-tage gehen vom Heiligen Abend bis Epiphanias; die Osterzeit dauert vom Ostermorgen bis Sonntag Exaudi (eine Woche vor Pfingsten).
    Auf dem Parament des Altars ist ein Kreuz, dessen Oberlänge endet mit dem Buchstabe "P". Das "P" ist der griechische Buchstabe R aus dem Namen Christus. Das Kreuz mit P gilt als Zeichen für Jesus Christus. (X = Ch, P = R)
    Auf dem Kanzeltuch ist eine Krone mit davon ausgehenden
    Strahlen. Es ist nach Offenbarung 2,10 die Krone des Lebens, die wir durch Jesus Christus erhalten.
    Der Altar selbst ist das ganze Jahr mit einem weißen Tuch bedeckt. Auf dem Altar steht das Kreuz mit dem gekreuzigten Heiland. Aus diesem Grund trägt der Altar das ganze Jahr die Farbe Jesu Christi.

    Die Farbe Schwarz ist für Karfreitag und Totensonntag sowie für eventuell anfallende Trauergottesdienste. Es ist die Farbe der äußeren Finsternis und der Trauer (Matth. 26, 31).

    Rot ist die Farbe für Kirchenfeste und Märtyrertage, es ist die Farbe des Heiligen Geistes (Apg. 2, 1-4) und zugleich die Farbe des Blutes der Glaubenszeugen (Apg. 7, 56). Deshalb sind die Paramente nur an einzelnen Tagen rot: Pfingsten, Augsburger Konfession, Peter und Paul, Konfirmation, Investitur, Ordination, Mission, Kirchweih, Reformation und Stephanustag.
    Auf dem Altartuch sind für die Festtage symbolisch verschieden farbige Flächen einander zugeordnet, während auf dem Kanzeltuch der Heilige Geist in Gestalt einer Taube abgebildet ist, die vom Himmel kommt.

    Die Farbe Grün ist für die Zeiten nach den Festtagen, vom 1. Sonntag nach Epiphanias bis zum Sonntag Estomihi sowie für die lange Trinitatiszeit, beginnend eine Woche nach Pfingsten mit Trinitatis bis zum Ewigkeitssonntag (Totensonntag). Grün ist die Farbe der Saat, des stillen Wachsens und Reifens, die Farbe des durch den Glauben im Heiligen Geist bewirkten neuen Lebens (Joh. 20,31 und Römer 8,10).
    Auf dem Altartuch sind die Zeichen der Brotvermehrung: Fünf Brote und zwei Fische (Speisung der Fünftausend, Markus 6, 32-44). Auf dem Kanzeltuch sind Wellenbewegungen als Zeichen für Leben und Wachsen.